Ein Tag RehABIlitation


Gestern, sprich am 27.06.2014 war (m)ein Abiball.
Es wäre meiner gewesen, wenn ich nicht krank geworden wäre und nicht so viel in der Schule verpasst hätte.

Ich war mir immer sicher, dass ich trotzdem zum Abiball gehen werde, aber vor ein paar Monaten habe ich beschlossen doch nicht hinzugehen.

Ich habe doch so gut wie gar nichts mehr mit denen zu tun… Ich hab keine Lust da dann blöd rumzustehen…

Ja, ich war mir ganz sicher; auf gar keinen Fall würde ich mir das antun!

Ich ließ mich letztendlich aber doch noch überreden zum Abiball zu kommen und ich setzte mir wieder in den Kopf – ich muss unbedingt auf diesen Abiball.

Ich hatte ja geschrieben, dass ich noch kein Kleid hatte und aufgrund meines Prolapses durfte ich am Dienstag immer noch nicht nach Hause.
Naja, ich hab ja noch 4 Tage Zeit mir ein Kleid zu kaufen. In den nächsten Tagen gehe ich halt mal ein bisschen „spazieren“.
Aber das war ein ganz schlechter Plan, der sowieso von meiner Ärztin durchkreuzt wurde, die mir strengste Bettruhe verordnete. Ganz toll.

2 Freunde haben mir dann ihre Hilfe angeboten und für mich ein Kleid, hohe Schuhe, flache Schuhe und noch ein paar Kleinigkeiten besorgt.

(Ich kann euch dafür einfach gar nicht genug danken! Ich hoffe, dass ich das eines Tages wieder gut machen kann.)

Eine meiner beiden M&Ms war am Wochenende wieder hier und sie hat mir noch ein Kleid mitgebracht, das sie bei ihrem homecoming anhatte. Das habe ich letztendlich dann auch getragen, weil ich mich darin am wohlsten gefühlt habe und es meinen „Schwangerschaftsbauch“ ganz gut kaschiert hat.
Auf die Bandage, die ich extra bekommen habe, damit ich zum Abiball gehen kann, habe ich allergisch reagiert…
Jetzt musste ich noch (neben Kompressen, die die PEG etc. abgepolstert haben, da ich durch den Druck auf den Bauch ziemliche Schmerzen hatte) eine Baumwollbandage unter der eigentlichen Bandage tragen, was dann schon ziemlich aufgetragen hat.

Es steht mittlerweile fest, dass ich mich wieder auf eine Bauch-OP einstellen darf und wir versuchen auch in der selben OP etwas aus dem Handgelenk zu entfernen, das dort gewachsen ist. Es ist noch nicht riesig, aber gehört nicht dort (und auch nirgendwo anders) hin und muss raus.
Wann weiß ich noch nicht, aber es wird zeitnah sein.

Meine Ärztin war meinem Plan gegenüber, bis zur letzten Sekunde, sehr skeptisch und sagte ich bräuchte einen Sanitäter, der mich begleitet. Ich hab’s letztendlich aber ohne Rollstuhl, ohne Sani, nur mit Rucksack und Freunden geschafft.
Der Rucksack sieht echt scheisse aus und die Tatsache, dass dort Infusionen drin sind, macht ihn noch hässlicher.

Anfangs saß ich deswegen auch so gut wie nur am Tisch, essen konnte ich nichts, aber das ist nicht so schlimm. Gegen späten Abend bin ich dann aber auch rumgelaufen und es wurde noch ein echt schöner Abend, an dem wir auch viel getanzt haben (ab 22:30 Uhr war die „Aftershowparty“). Es tat einfach mal wieder so soooo gut.

Der Preis dafür war dann später, dass ab ca. halb 4 morgens, als ich wieder im Krankenhaus war, zwei Ärzte ihre Schicht an meinem Bett verbracht haben, mir Dipi reingedröhnt und das Stoma reponiert haben, weil meinem Bauch das so gar nicht gefallen hat. Das tut mir wirklich leid, aber ich bereue es trotzdem nicht und ich würde es immer wieder machen.
Und nein, egoistisch oder naiv ist das nicht, denn ich lasse mich einfach nur nicht mehr so sehr von meiner Krankheit einengen. Wenn ich laufen und tanzen kann, dann nutze ich das auch aus. Ob dadurch wieder etwas passiert, kann nämlich keiner 100%ig im Vorhinein sagen.

Das Abimotto war übrigens: Abiwood 2014 – Happy End nach 12 Jahren Drama
In der Abizeitung werde ich bei den Top-Klassenbucheinträgen erwähnt. Ob ich darauf jetzt stolz sein sollte, naja, ich weiß nicht recht. 😀
Aber immerhin habe ich keinen Lehrer mit Farbe besprüht, Parfum oder Deo im Klassenraum versprüht, sodass dieser nicht mehr benutzbar gewesen sei, bin auch nicht zu spät gekommen, weil ich dringend Einkäufe beim Bäcker erledigen musste, habe auch nicht absichtlich im Sportunterricht auf Köpfe gezielt und niemanden mit einem Seil stranguliert oder mit Kreide geworfen. (Ihr seid so legendär 😂) Jedenfalls hätte ich mich dabei nicht erwischen lassen.
Im Klassenbuch steht lediglich, dass ich mich im Physikunterricht auf Geschichte „vorbereitet“ habe.
😀 Dazu könnte ich auch wieder eine Geschichte erzählen, aber das mache ich jetzt nicht, weil ich nicht weiß, wer meinen Blog liest und ich mich in den nächsten Jahren noch in der Schule blicken lassen können muss.
Abizeitungen sind wirklich immer wieder der Knaller!

Ein riesengroßes Danke an:
– Moritz, Julia und noch ein paar andere, die mich ermutigt haben, doch noch zu kommen
– Filo und Zita, die sich für mich die Hacken abgerannt haben und mir per Whatsapp die Fotos aus den Umkleidekabinen geschickt haben (was hätte ich nur gemacht, wenn wir noch keine Generation Smartphone wären?!),
Zita, die mir die ganzen Sachen anschließend ins Krankenhaus gebracht hat und Filo, die mich beim Anprobieren beraten hat, mir beim Fertigmachen geholfen hat und mir immer wieder gesagt hat, dass ich schön sei, wenn ich wieder mit dem Gedanken gespielt habe doch nicht zum Ball zu gehen, weil ich mich hässlich fühle
– Meine Tante aus Timbuktu, die mir ein Notfallpaket (bestehend aus Kleid und Schmuck) per Post gesendet hat
– Mama, die mit mir die Kleider anprobiert hat, mir in der Stadt noch letzte Besorgungen getätigt hat, obwohl sie dafür gar keine Zeit gehabt hätte, das Kleid stundenlang am Rücken geschnürt hat, obwohl ich es letztendlich doch nicht anhatte und die mich vom Krankenhaus abgeholt und zum Abiball hingefaren hat
– Die Bauchschreiberlinge, die sich mit den ernsten Problemen des Lebens beschäftigt haben (Welches Kleid soll ich anziehen?)
– Melina, die meine Selbstzweifel, Selbstbewusstseinsschwankungen beim Anprobieren mit sehr viel Ausdauer ertragen hat und die mir gesagt hat, dass die Schminke so ok ist (eigentlich blieb dir ja auch nichts anderes übrig)
– Melinas Chemo und der Regen, die verhindert haben, dass ich zum Krankenhausfest gehe, da ich mich deshalb aus Langeweile schon geschminkt habe (hätte ich das nicht getan, hätte ich extremen Zeitdruck bekommen)
– meine Schwester, die mir ihre „Nike Pro“ geliehen hat, obwohl sie es hasst mir etwas zu leihen (und dann auch noch ausgerechnet die Nike Pro!)
– Lars, (und noch ein paar andere) der mir vom blauen Kleid abgeraten hat
– Darlina, Sina, Julia & Co, die mir auf dem Abiball freiwillig angeboten haben meinen Rucksack zu tragen und das auch den ganzen Abend über gemacht haben
– André, der mich mitten in der Nacht wieder ins Krankenhaus gefahren hat
– und schließlich das Personal, die das alles mitgemacht haben und keine Vermisstenanzeige aufgegeben haben! (Es ist etwas später als 22 Uhr geworden)

Ein letzter Dank richtet sich an meinen Mo., der mich nicht nur auf dem Abiball begleitet hat, beziehungsweise ich ihn, sondern der auch ansonsten immer da ist, der mich „gesund“ kennengelernt hat und mich nach all den Jahren trotzdem noch so akzeptiert wie ich bin. Danke für alles.
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Es ist traurig zu wissen, dass ich euch jetzt wirklich nie wieder in der Schule über den Weg laufen werde und jetzt alles vorbei ist.
In der Abizeitung hat jemand als Motto „Hauptsache gesund“ angegeben, was ich sehr schön fand.
Und genau das wünsche ich euch auch, bleibt gesund und hört niemals auf für eure Träume zu kämpfen! Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch.

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Über Überlebenskünstlerin

20 jährige Bloggerin, die über ihr Leben mit Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis bloggt.
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7 Antworten zu Ein Tag RehABIlitation

  1. Sabine Duwe schreibt:

    Liebe Pia ich freue mich so für Dich, dass du an dem tollen Abend dabei sein konntest. Ich finde es auch ziemlich egoistisch von Dir dies zu tun! Und, DAS IST AUCH GUT SO!!!! Genieße diie guten Momente so egomäßig wie geht! Auf dem Foto siehst Du so glücklich aus.:) Für Deine OP drück ich die Däumchen und hoffe, Dich am Mittwoch zu sehen. Gaaaaaaanz liebe Grüße. Sabine

  2. oliver2punkt0 schreibt:

    Respekt… mir fehlen weitere Worte. Sehr tapfer!
    Gruß,
    Oliver 2.0

  3. Nicole Engel schreibt:

    Liebe Pia,

    ich lese deinen Blog regelmäßig und es berührt mich immer wieder sehr.
    Du bist ein so liebenswerter Mensch, der es mehr als verdient hat glücklich zu sein! Tue was immer dafür nötig ist! sei so oft frei und glücklich, wie es eben geht!

    Respekt an all deine Freunde, die die so liebevoll unterstützen: Ihr seid Klasse!

    fühl dich umarmt von einem O:)

    PS: auch für die nächste OP sind die Daumen gedrückt

  4. Sven schreibt:

    Hallo Pia
    Mir fehlen da die Worte. Du hast es wirklich auf deinen Abiball geschafft trotz allem, der absolute Wahnsinn. Und ganz ehrlich was deine Freunde und Familie für dich gemacht haben um dir das zu ermöglichen, das ist sowas von Sau cool echt der Hammer. Das ist was besonderes. Ich finde es schön zu lesen das es dir soviel Spaß gemacht und und du tanzen und Spaß haben konntest. Ich finde es auch nicht egoistisch von dir das die Ärzte dich wieder hinbiegen mussten. Viel mehr finde ich deine Einstellung dich von deiner Krankheit nicht einengen zu lassen bemerkenswert .und wenn man etwas getan hat und würde es trotz aller Schwierigkeiten wieder tun dann ist das auch richtig so und hat in dem fall nix mit naiv oder egoistisch zu tun. Es war in dem fall für dich die richtige Entscheidung an diesem Abend .

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute

    Gglg Sven

  5. Elke K. schreibt:

    Liebe Pia,
    das freut mich für dich, dass du trotz aller Widrigkeiten noch so viel Spaß gehabt hast! Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, das alles zu lesen! 😉
    Tut mir echt leid, dass sie dich WIEDER mal auf machen müssen – muss doch endlich mal gut sein! 😦
    Ich wünsch dir noch gute Besserung und dass du alles gut hinter dich bringst.
    Drück dich,
    Elke

  6. die Tante aus Timbuktu schreibt:

    Ich freue mich riesig darüber, dass du tatsächlich beim Abiball warst. Das kann dir keiner nehmen! Deine Freude darüber überwiegt die gesundheitlichen Nachteile anschließend, und das ist es doch, was zählt. Wir wissen alle nicht, ob früher oder später nicht sowieso wieder Komplikationen aufgetreten wären, auch ohne diesen Ausflug ins Krefelder Nachtleben. Also: Aus meiner Sicht hast du alles richtig gemacht, und ich hoffe sehr, du siehst es jetzt, mit einigen Tagen Abstand, auch immer noch so – Übrigens: Du hattest so eine tolle Ausstrahlung an diesem Abend! Ich wusste ja gar nicht, dass dir die Farbe Rot sooooo gut steht. Herzlichst, B.

  7. die Tante aus Timbuktu schreibt:

    PS: Wer SOLCHE Freunde hat, braucht KEINEN Feind zu fürchten! – Kompliment an alle vor Ort, die sich für die Realisierung deines Abiball-Traumes engagiert haben. Einfach Klasse!

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