Uniklinik und zu wenig „Rot“


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Heute war es so weit.
Mit dem Krankentransporter ging es – hey! Das erste Mal richtig sitzend und nicht auf der Trage – zur Uniklinik. Wir mussten so in etwa eine Stunde fahren, bis das Ziel erreicht war.

Die KiKlinik kam mir riesig vor und wir brauchten auch ein Weilchen, um uns zu orientieren. Schließlich mussten uns mehrere Leute den Weg im Gebäude (:-D) erklären, weil wir (trotz der ganzen Schilder) überhaupt nicht klar kamen.
An der Decke war so etwas wie Eisenbahnschienen angebracht, die die Post in einer Art Metallkorb, der ein Lokomotivenbild angeklebt hatte, von einem zum nächsten Ort brachte. So etwas hab ich noch nie gesehen. Sah aber witzig aus. Irgendwie ziemlich future-mäßig.

Die onkologische Ambulanz war auch riesig. Dort galten strenge Auflagen, beispielsweise dürfen Kinder bis 15 J. diesen Bereich erst nach körperlicher Untersuchung betreten und bei jeglichen Anzeichen einer Infektion, sei es nur ein Schnupfen oder eine Hautveränderung, muss man draußen bleiben.
Dass man mit einer Erkältung oder Infektion eine onkologische Station nicht betreten darf, das ist klar. Auf meiner Station „Zuhause“ ist das auch so. Keine Kinder unter 5 Jahren ohne Absprache. Keine Blumen. Keine Infektionen. Blablabla. Aber das hat mich schon überrascht.
Eine Frau wollte mir auch gleich Blut abnehmen als meine Mutter mich anmeldete. War aber Quatsch, weil ich heute morgen erst Blut für ein großes Blutbild abgenommen bekommen habe.

Im Wartezimmer stand ein Aquarium, was ich irgendwie auch ziemlich schön fand. Hab ich auch noch nicht in einem Krankenhaus gesehen.
Wir waren zunächst alleine im Wartezimmer und ich musste mal kurz auf die Toilette.
Als ich raus kam, war noch eine andere dreiköpfige Familie im Wartezimmer. Das kleine Mädchen, 4 Jahre jung, Leukämie schätze ich, schaute mich mit ihren großen Augen an, als hätte sie sagen wollen ‚Schau mal Mama! Das große Mädchen hat auch einen Broviac‘. Das bestätigte mir ihr Papa dann noch, als sie mit ihrer Mum auf der Toilette verschwunden war.

Wie das Gespräch mit der Ärztin verlief, möchte ich jetzt nicht so ausschmücken.
Es sieht jetzt jedenfalls so aus, dass die Onkologin den Brovi dort auch nicht umlegen wollen würde.

Ich sollte und wollte dann noch einmal mit den Chirurgen selbst sprechen und mir ihre Meinung dazu anhören.
Wir wurden runter in die „normale“ Ambulanz geführt.
Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Die Gastroenterologie lag direkt mit der Notfallambulanz zusammen und überhaupt auch alle anderen Ambulanzen schienen hier auf einem Haufen zu liegen.
Überall schreiende, lachende, weinende, sich langweilende, tobende, kranke Kinder und deren noch gelangweilteren, erschöpften, genervten, quatschenden, nach-ihrem-Kind-rufenden Eltern.
Ich möchte gar nicht wissen, welche Krankheiten, Bakterien und Viren dort überall rumschwirrten. Ich wurde dann in einem Raum „isoliert“ und bekam einen Mundschutz.

Ich saß in einem Behandlungszimmer, der von der Ausstattung her aussah, wie ein Mini Op Raum.
An der gegenüberliegenden Wand stand die ganze Zeit scheinbar ein Arzt. Ich suchte keinen Blickkontakt und schaute mich etwas im Raum um.
Ich hab mir über ihn irgendwie keine Gedanken gemacht, bis ich mich aber fragte, wieso er da die ganze Zeit steht.

Ganz plötzlich sagte er „Do you speak English?“. Ich war total verwirrt. Wir wechselten ein paar Worte und dann redeten wir immer mehr. Es war irgendwie komisch, nach so langer Zeit wieder Englisch zu sprechen. Seitdem ich nicht mehr zur Schule gehen kann, habe ich das so gut wie gar nicht mehr gesprochen, nur geschrieben.
Joshi ist ein Medizinstudent aus dem Ausland, wie ich erfuhr, und er möchte Kinderchirurg werden. Es war echt ganz cool mit ihm zu quatschen und mein Englisch dadurch noch mal aufzufrischen. Er vertrieb sich mit mir die Zeit, bis meine Mum und der Chirurg kamen.

Sie waren wirklich alle super nett, aber ihnen ist das Risiko zu hoch, dass bei mir Komplikationen auftreten. Dafür ist die Op sozusagen nicht „notwendig genug“.
Zuerst bin ich total in Tränen ausgebrochen, aber jetzt werde ich da erst mal eine Nacht drüber schlafen.
„Wenn du lang genug suchst, findest du mit Sicherheit jemanden, der das macht.“, sagte der Chirurg noch zu mir. Aber ich denke so weit wird es nicht kommen.

Ich war ziemlich geschafft als ich aus der Uniklinik raus war. Seit 13 Uhr war ich unterwegs und ich denke so gegen 16 Uhr/16.30 Uhr waren wir dort raus.

Doch damit nicht genug.
Die Taxifahrt war auch ziemlich… speziell.
Meine Mum und ich hatten uns plötzlich so viel zu erzählen und der Fahrer unterhielt uns auch gut. 😀
Er erzählte uns beispielsweise, dass er mal einen 17 jährigen krebskranken Jungen in mein Krankenhaus gefahren hat, der dann während der Fahrt eingeschlafen und gestorben ist.
Jaaa, genau das hab ich mir auch gedacht. Da bekommt das Wort ‚totmüde‘ gleich eine ganz andere Bedeutung. Ich hab dann jedenfalls nicht mehr dran gedacht die Augen zuzumachen.

Zurück auf Station stieß ich direkt mit meiner Ärztin zusammen, die sich dann mit meiner Mum und mir in die Tagesklinik zurückzog. (Das ist so ein Raum mit Küche und Couch)

Wir besprachen die nicht wirklich überraschenden Erkenntnisse aus der Uniklinik und kamen zum Entschluss, dass wir die nächsten 3 Monate erst mal weiterschauen.

Dann griff sie das Thema Schule (mal wieder) auf. Ich kann mich zur Zeit überhaupt nicht von selbst aufrappeln etwas für die Schule zu machen.
Es überfordert mich einfach total, da ich nicht weiß wo ich anfangen soll.
Das soll sich jetzt langsam aber auch mal ändern.

Und nun kommen wir zur Farbe Rot.
Sie berichtete uns von den Blutwerten, die morgens abgenommen wurden.
Mir mangelt es an Rot.
Zu wenig rote Blutkörperchen, zu wenig roter Blutfarbstoff. Also Erythrozyten und Hämoglobin. Leberwerte sind auch wieder angestiegen. Hämatokrit ist zu niedrig. (…)
Fällt mein Hb am Wochenende weiter, dann muss ich fremdes Blut transfundiert bekommen.

Eine meiner Bettnachbarinnen, sie hat Morbus Crohn, brauchte in den letzten Wochen auch schon ganze 3 Bluttransfusionen.

Also liebe Leute, so lange ihr dürft, spendet bitte euer Blut! Es wird dringender benötigt als man denkt.

Blut spenden dürfen alle gesunden Menschen zwischen 18 und 68 J., die ein Mindestkörpergewicht von 50kg haben.
Vier bis sechs Mal jährlich ist dies pro Person möglich.

Es gibt so viele Menschen, denen dein Blut das Leben retten könnte.

In diesem Sinne :- )

Gute Nacht!

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Über Überlebenskünstlerin

20 jährige Bloggerin, die über ihr Leben mit Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis bloggt.
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3 Antworten zu Uniklinik und zu wenig „Rot“

  1. Supra schreibt:

    Hallo pia,
    Schön, dass du einen Transport auch mal sitzend erleben konntest, ich hoffe die rettungssanitäter waren nett zu dir!
    Ich wünsche dir für die nächsten Wochen viiiel Rot und viel Kraft.
    Es freut mich zu lesen, dass du trotz Rückschläge doch kleine Schritte nach vorne machst und den Mut nicht verlierst.

    Liebe grüße

  2. OP-Tisch-Pilotin schreibt:

    mich macht es etwas stutzig, dass dein hb unten ist – ich meine… Darmblutungen hast du ja nicht, was ist die Ursache für den heftigen Blutverlust?

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