Über Vampierbisse, ZVK’s und Portkatheter


ZVK?

Ja ja, das ist so eine Sache mit den Vampierbissen. Ich schlafe gerne bei offenem Fenster und mein Name ist Isabella, aber meine Vambierbisse stammen trotzdem nicht von Edward. 😀
Und nein, es sind auch keine Pickel oder was auch immer. Ich lüfte jetzt einfach mal das Geheimnis, weil ich schon die herrlichsten Theorien darüber gehört habe, was ich denn da am Hals hätte.
Vielmehr sind es, wenn überhaupt, Vampierstiche. Denn sie stammen jeweils von einer Nadel, die einen zentralvenösen Katheter, kurz ZVK, in meinen Hals einbrachte.
Weil es in letzter Zeit so oft nötig war, einen solchen Katheter zu legen, sind dort sichtbare Narben vorhanden, die man sich so ziemlich wie Vampierbisse vorstellen kann. Wenn der Katheter gezogen wird, bildet sich dort natürlich auch erstmal eine Kruste und selbst noch einige Monate später hat man dort einen roten Punkt, es sieht also wirklich aus wie ein Vampierbiss.

Wieso brauchtest du denn die ZVK’s?

Nunja, ich habe aufgehört zu zählen, aber ich müsste in den letzten 20 Monaten ungefähr 10 ZVK’s gehabt haben.
Im Normalfall ist die Indikation für einen ZVK gegeben, wenn ein Patient parenteral Ernährt werden muss (künstliche Ernährung mit Umgehung des Verdauungstraktes, sprich über die Vene), eine venenschädigende Therapie (beispielsweise Chemo) bekommen soll, oder allgemein Langzeittherapie mit i.v. Medis, Dialyse, oder wenn sehr schlechte Venenverhältnisse vorhanden sind, und so weiter.
Ich habe den Aufklärungsbogen schon zu oft gelesen… 😀

Meinen ersten bekam ich während meines schlimmen Schubes, damit ich parenteral ernährt werden konnte.
Ab etwa dem 10. oder 14. Tag sollte ein ZVK gezogen werden, da die Infektionsgefahr, und somit die Gefahr eine Sepsis (Blutvergiftung) zu bekommen, dann sehr hoch ist. Da ich da nicht ganz so scharf drauf bin, und die Ärzte schonmal gar nicht, musste ich dann auch schon mehrmals den Katheter gewechselt bekommen.
Ansonsten hatte ich nach Operationen oft, oder sogar immer (?), einen ZVK. Den letzten, oder nein – den vorletzten, bekam ich, als ich mir das Virus eingefangen hatte und unglaubliche Mengen an Flüssigkeit über das Stoma verlor. Meine Armvenen streikten irgendwann und wenn ein Arzt es doch noch geschafft hatte, irgendwo einen Zugang zu legen, dann war dieser spätestens am nächsten Tag dicht, oder die Vene war einfach geplatzt. Meine Füße und Beine wollten auch keine Nadel mehr beherbergen und da sich mein Zustand rapide verschlechterte, wurde ich dann nachts wieder in den OP gefahren, um mir einen ZVK zu legen.

Ein ZVK ist nicht vergleichbar mit dem Legen eines Venenkatheters in den Arm, in die Hand, in den Fuß, o.ä.
Meine ZVK’s wurden alle unter Propofol Dröhnung (Narkose bzw. Sedierung) gelegt.
Bei Erwachsenen ist es üblich, den Eingriff mit Lokalanästhesie durchzuführen, aber dagegen habe ich mich geweigert. Ich muss nicht unbedingt dabei wach sein, wenn mir jemand eine große Nadel in den Hals einsticht und einen Katheter bis kurz vor mein Herz schiebt, mal von den Betäubungseinstichen und dem anschließenden Annähen des Katheters abgesehen.
Da ich aber sowieso erst 15 und 16 Jahre alt war, war das fast nie ein Problem. In der Kinderklinik wurde es sowieso standardmäßig mit Sedierung durchgeführt, nur ein Mal hatte ich (auf einer chirurgischen Station) einen kleinen Konflikt mit einem Arzt, aber mein Dickschädel war stärker.
Mein Allgemeinzustand war ziemlich schlecht und er wollte mir den ZVK nur unter Lokalanästhesie legen. Er ließ sich dann dazu überreden, mir ein bisschen Propofol zu spritzen. Da ich aber ziemlich abgehärtet bin, was Jacksonmilch betrifft, merkte ich davon so ziemlich gar nichts und fing dann bereits bei den Einstichen der Lokalanästhetika-Spritzen ziemlich heftig an zu weinen. Nicht, weil ich wegen der Piekser so empfindlich wäre, sondern vielmehr – weil es mir ohnehin schon sch#!**@ ging – aus Hilflosigkeit und Panik. Tja, danach kann ich mich nur noch daran erinnern, dass ich irgendwann mit bereits verbundenem ZVK aufwachte.

Und was ist eigentlich dieser Port?

Zu meinem letzten Geburtstag bekam ich dann einen Portkatheter in meinen Brustkorb implantiert. Ziemlich originelles Geburtstagsgeschenk, nicht wahr? 😀
Ein Port ist auch eine Art des ZVK, wird nur komplett unter die Haut implantiert und kann jahrelang benutzt werden. Man kann ihn auch über einen längeren Zeitraum stilllegen, und wenn man ihn wieder braucht, muss er, mit einer speziellen Portnadel (durch die Haut), angestochen werden.
Die Indikationen sind so ziemlich die selben, wie oben beschrieben.
Das Komplikations- und Infektionsrisiko besteht leider immer und ist auch nicht so selten. Deshalb haben sich die Ärzte auch erst so spät für eine Implantation entschieden.
Aber was soll’s. Ich bin froh, dass ich jetzt meinen Port habe und somit sogar Zuhause Infusionstherapien durchführen kann. Denn sonst wäre ich garantiert schon längst wieder im Krankenhaus gelandet.

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Über Überlebenskünstlerin

20 jährige Bloggerin, die über ihr Leben mit Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis bloggt.
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2 Antworten zu Über Vampierbisse, ZVK’s und Portkatheter

  1. OP-Tisch-Pilotin schreibt:

    ein vertretungsdoc mal zu mir: „boah, hast du lymphknoten am hals!“ ich: „ääh, das waren die ZVK’s!“ und er musste lachen. O.o

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