Das Krankenhaus – Mein zweites zu Hause


Im Krankenhaus kannte mich mittlerweile eigentlich jeder.
„Jeder“ sind die Krankenschwester, die Ärzte, die Damen an der Pforte, der Clown, die Frauen aus der Spielabteilung, die Lehrerin aus der Schule für Kranke, die Putzfrauen, die Psychologen, die Dame aus dem Labor,… – eigentlich jeder.
Sogar die Schwestern oder Ärzte, die ich glaubte nicht zu kennen, lächelten mich an und grüßten mich, wie einen alten Bekannten.
Die Schwestern machten „Laola-Wellen“, wenn ich über den Flur lief, denn zeitweise war sogar das etwas Besonderes. Manche von ihnen wurden zu vertrauten Personen und machten sich mit mir über die RTL Nachmittagssendungen lustig, erzählten mit mir über eigentlich alles und umarmten mich. Ich bin einfach mittlerweile Stammgast.

Bei manchen Leuten bin ich mir nicht sicher, ob sie nett zu mir sind, weil sie mich mögen, oder weil ich krank bin.
Es war fast unglaublich, wie viele Nachrichten ich bekam und mit wie viel Mitleid und Respekt sie mich überschütteten, als meine Mutter bei Facebook postete, dass ich meine OP gut überstanden hätte. Umso erstaunter bin ich, wenn es doch ab und zu immer noch Menschen gibt, die mich fragen, was los sei, wenn ich mal nicht in der Schule war oder wenn ich im Krankenhaus bin.
Einem Lehrer sollte es auffallen, wenn einer seiner Schüler im Unterricht fehlt. Bei mir wunderten sie sich, wenn ich mal da war.
Selbst im Lehrerzimmer bin ich Gesprächsthema. Lehrer, die mir nicht ganz geheuer waren, kamen plötzlich zu mir und wünschten mir nur das Beste. Und welche, die ich das letzte Mal in der sechsten Klasse als Lehrer hatte, nannten mich wieder bei Namen.

Genauso war es in meiner Familie anders geworden, als es normalerweise ist.
Wenn die Tante aus Timbuktu die Nachricht erreicht, dass ich im Krankenhaus liege, heißt es „Sie war schon wieder zu Hause?“. Es war einfach fast selbstverständlich geworden, dass ich nicht mehr bei Familienfeiern anwesend bin.
Als meine Oma zu Kaffee und Kuchen vorbeikam und ich sogar mit am Tisch saß, begrüßte sie mich, als wäre ich zehn Jahr lang im Ausland gewesen.
Wenn ich mich dazu aufraffen konnte mit zu Verwandten zu fahren, war schon ein Zimmer mit einem Bett für mich vorbereitet. Es ist einfach normal geworden, dass ich krank bin.

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Über Überlebenskünstlerin

20 jährige Bloggerin, die über ihr Leben mit Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis bloggt.
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